Habe ich wirklich noch eine Wahl in meinem Leben?

Viele Ereignisse der letzten Wochen und Monate spuken mir hartnäckig im Kopf herum: Brexit, Bundespräsidentenwahl – zählt meine Stimme überhaupt noch? Ist es wichtig, was ich als Individuum denke oder sage, oder ist ohnehin alles sinnlos und wird von anderen entscheidend beeinflusst? Sind meine Werte von Wert oder gehen sie in der Masse unter?

Dabei wird mir klar, dass ich bereits im Nachdenken, ob ich eine Wahl habe, eine Wahl habe: Ich kann mich bewusst entscheiden, einen Standpunkt einzunehmen und zu vertreten – oder es nicht zu tun und dem Treiben der Welt als Statist beizuwohnen.

Und Bewusstsein ist gefragt. Denn immer mehr Situationen in meinem Alltag fordern mir eine Entscheidung ab: Bin ich für oder gegen die weitere Aufnahme von Flüchtlingen! Wie stehe ich zur zunehmenden Digitalisierung? Welche Partei vertritt meine Interessen? Korruption oder Ehrlichkeit? Schein oder Sein? Bin ich „gut“, wenn ich diese Wahl treffe? Bin ich „böse“, wenn ich mich für die Alternative entscheide? Himmel oder Hölle? Seligkeit oder Verdammnis?

Das alles kostet manchmal viel Energie. Die wachsende Komplexität wird dann schnell zu einer über-den-Kopf-wachsenden und bringt mich an einen Punkt, an dem ich nichts mehr wählen, nichts mehr entscheiden, nichts mehr beurteilen will. Manchmal will ich dann einfach nur „sein“ und  meine Prioritäten auf meinen innersten Kreis fokussieren: Die Sicherheit meiner Familie ist dann alles, was mich kümmert.

Manchmal brandet in diesen Situationen auch eine plötzliche Wut auf: Wo sind jene Politiker, die sich so ins Zeug gelegt haben, um von uns gewählt zu werden. Monatelang lagen sie uns in den Ohren, um ihre Kompetenz zu demonstrieren und dann scheuen sie sich bei allzu heißen Eisen davor, Verantwortung zu übernehmen, Mut zu beweisen oder entschlossen zu handeln.

Habe ich nach der Wahl noch eine Wahl? JA! Weiterlesen