#MeToo – Warum die Schauspielszene nix mit der wahren Realität von Frauen im Arbeitsalltag zu tun hat!

Liebe Männer und Frauen, würdet ihr wollen, dass Euren Töchtern auf den Hintern gegriffen wird, dass sie von Schulkollegen zu hören bekommen, dass sie nur in die Clique dürfen, wenn sie mit ins Puff gehen? Wollt ihr, dass sich ein Mann an Euren Töchtern reibt oder Eure Töchter permanent schmutzige Witze anhören müssen. Wollt ihr, dass Eure Töchter auf ihr Äußeres reduziert werden und sie sich anzügliche Sprüche am laufenden Band anhören müssen? Teilweise täglich.

Liebe Väter und Großväter und Onkel, wollt ihr, dass Eure Mädchen Angst davor haben, als letzte mit bestimmten Kollegen das Büro zu verlassen? Dass sie sich überlegen müssen, ob sie überhaupt Röcke tragen können, weil ein Kollege sie permanent angafft? Wollt ihr, dass sie ungefragt angegriffen werden?

Schade ist an der momentanen #metoo Welle, dass einige Menschen zum eigenen Zweck andere Menschen in schwierigen Lebenssituationen angreifen. Im konkreten Fall: Frauen, die sich in derartigen Situationen nicht sofort Nein sagen trauen und erst Monate und Jahre später anderen von dem Erlebten erzählen können und wollen.

Ich würde Ihnen gerne ein paar Erkenntnisse von meiner Arbeit mit mehr als 1.000 Frauen in diesem Blog vermitteln, die ich auf Ihrem beruflichen Weg begleiten durfte und die jetzt durch #metoo ermutigt sind, endlich über Missstände zwischen Männer & Frauen zu sprechen.

Für mich ist #metoo keine männerhassende Kampagne. Es ist der jetzige Weg von Frauen sich in einer starken Gruppe zu wehren. Und was passiert. Sie werden von Frauen angegriffen. Vielleicht kann Frau Proll und die Herren & Damen auch die andere Seite durch diesen Blog verstehen.

Wenn Frauen in der Wirtschaft oder auch sonst wo sich mit dem Gedanken tragen, einen Fall von verbaler oder körperlicher sexueller Belästigung oder unangemessenen Verhaltens „offiziell“ zu machen, passiert üblicherweise folgendes:

Wo sind die Ansprechpersonen?

Zunächst einmal ist einer Frau nicht wirklich sofort klar, WO man so etwas melden kann, weil die meisten Unternehmen keine Vertrauensperson für solche Anlässe installiert haben. Personalabteilungen fühlen sich entweder nur selten dafür zuständig, sind überfordert oder sie bestehen teilweise in der Führungsebene aus Männern oder starken Frauen die für „weibliche Schwächen“ wenig Verständnis haben. Wie wir alle wissen, lässt sich über sexuelle Übergriffe (verbal oder körperlich) aus nachvollziehbaren Gründen besser „von Frau zu Frau“ sprechen.

Wenn Frau einen derartigen Vorfall anspricht, muss sie den kompletten Vorfall in allen Details auf den Tisch legen. Auch eine Anschuldigung läuft für den Anklagenden auf ein „Verhör“ hinaus. Sie muss schließlich beweisen, dass der andere etwas Unrechtes getan hat, Grenzen überschritten hat und auf zwischenmenschlicher Ebene „zu weit“ gegangen ist. Das ist bei Frauen, die vergewaltigt wurden, dasselbe wie bei Frauen, die „nur“ angefasst oder angesprochen wurden.

Sie fragen sich, warum betroffene Frauen nicht sofort diesen Weg einschlagen? Nun, weil es so etwas wie tiefe Scham gibt, liebe Damen und Herren

Scham als Hemmschwelle

Frauen schämen sich, wenn ihnen angeboten wird, dass es ihr ein älterer Mann „gerne besorgt, wenn sie wissen will wie das so ist.“ Sie schämen sich, wenn Kollegen ihr mitteilen, dass „sie im Netzwerk willkommen ist – aber nur, wenn sie auch mit ins Bordell geht.“ Sie schämen sich, wenn ihnen ein Kollege unter dem Tisch einfach auf den Oberschenkel greift.

Vielleicht haben einige Schauspielerinnen oder andere Frauen einen anderen Zugang zu Scham. Wir Frauen in konventionellen Berufen schämen uns aufgrund solcher Vorfälle, weil wir glauben, selbst etwas falsch gemacht zu haben. Wir denken darüber nach ob wir irgendwelche Signale ausgesendet haben, die nicht in Ordnung sind. Wir schämen uns, aber kaum eine spricht darüber.

Wenn Frau etwas sagt! Weiterlesen